Gemeinsam gegen Cybermobbing

Zwei Jahre „Cyber-Buddys“ am Kepler

Tom und Cedric sind von morgens bis abends „im Dienst“. Die beiden Schüler gehören zum Team der Cyber-Buddys und kämpfen gegen Cybermobbing an ihrer Schule.

Von Sören Tristan Gesink
Ibbenbüren · Mittwoch, 07.02.2024

Tom-Luca Tietmeyer (l.) und Cedric Brinker setzen sich für ihre Mitschüler ein: Zusammen mit fünf anderen bilden sie das Team der Cyber-Buddys. | Foto: Sören Tristan Geesink


Ob WhatsApp, TikTok oder Instagram - immer mehr Jugendliche in Deutschland werden das Opfer von Cybermobbing. Das hat eine Sinus-Studie im Auftrag der Krankenkasse Barmer gezeigt. So richtig überraschend ist das Ergebnis nicht. Schließlich haben auch immer mehr Schülerinnen und Schüler ein Smartphone in der Schultasche.
Was macht Cybermobbing gefährlich? Meistens reicht bereits ein einziger Klick, um Gerüchte, Lügen und verletzende Bilder an Hunderte von Menschen zu schicken. Einmal im Netz gepostet, bleibt die Nachricht dort kleben. Eine schwierige Situation - für Opfer, Eltern, Lehrer und Freunde.
 

„Handyprobleme kommen immer früher. In der fünften Klasse fängt es mit den Smartphones an - und dann geht der Blödsinn los.“

Lehrer Sven Göttsche

Um gegen diesen Trend etwas zu tun, hat das Johannes-Kepler-Gymnasium vor zwei Jahren ein Projekt gegen Cybermobbing gestartet: die Cyber-Buddys. Gerade bei jüngeren Schülern habe es öfter Probleme mit Datenschutz beziehungsweise Datenmissbrauch gegeben, erklärt Lehrer Sven Göttsche. Die Cyber-Buddys sollen Ansprechpartner für alle Betroffenen sein, die sich nicht an Erwachsene und Lehrer wenden können oder wollen.
 

Helfer auf Augenhöhe

Das Team besteht aus Schülerinnen und Schülern der höheren Jahrgänge. Die Hemmschwelle, ein Problem anzusprechen, soll damit möglichst niedrig angesetzt werden: Schüler helfen Schülern, auf Augenhöhe und ganz entspannt, erklärt Teammitglied Cedric Brinker. „Das Wichtigste ist die Vertrauensbasis: Wenn ihr ein Problem habt, dann kommt zu uns. Wir sind 24/7 für euch da“, sagt der 17-Jährige.
„Wir versuchen für eine lockere Atmosphäre zu sorgen“, sagt Tom-Luca Tietmeyer (16), der auch zu den Helfern gehört. Zusammen mit Cedric und fünf weiteren Mädchen und Jungen ist Tom das Aushängeschuld der Cyber-Buddys. Wortwörtlich, denn das Team hängt als Foto im ersten Obergeschoss am mittleren Treppenhaus. So weiß jeder Schüler, wen er im Notfall um Hilfe fragen kann.

Helfer aus Überzeugung

Um sich auf ihren Job vorzubereiten, haben die Teenager fleißig trainiert, erzählt Sven Göttsche. Was ist im Internet erlaubt und was verboten? Wie spricht man mit jemandem, der von Cybermobbing betroffen ist? Und was kann man tun, um das Mobbing zu stoppen. Solche und ähnliche Themen haben die Jugendlichen während ihrer Ausbildung besprochen.
Angefangen haben die Cyber-Buddys mit zwölf Mitgliedern. Seitdem ist die Gruppe auf sieben Köpfe geschrumpft. Das muss aber kein Nachteil sein. „Alle, die heute noch mitmachen, sind aus Überzeugung dabei“, sagt Cedric. Für das Projekt haben sich die Jugendlichen freiwillig gemeldet. Wie das gekommen ist, mit dem freiwillig Melden? Die beiden zucken erstmal mit den Schultern. Später sagt Tom: „Wenn man älter wird, wird man auch verantwortungsvoller.“

Ansprechpartner ohne Unterlass

Ob das Projekt gegen Cybermobbing ein Erfolg ist, lässt sich nur schwer einschätzen. Bisher hat das siebenköpfige Team noch keinem Schüler helfen müssen. Tom und Cedric sehen darin ein gutes Zeichen. „Wer wirklich ein Problem hat, der macht sich bemerkbar“, sagt Cedric. Und Tom setzt dazu: Auch von den Klassenlehrern wären sie nie angesprochen worden - und das seien die Personen, die am ehesten merken, wenn etwas nicht richtig läuft.
So oder so, seit die Jugendlichen als Ansprechpartner in der Schule unterwegs sind, achten sie auf viele Dinge viel genauer. In den Pausen gucke man zweimal hin und frage sich, ob alles in Ordnung sei, wenn Schüler mit ihren Handys herumspielen, erzählt Tom. Und Cedric sagt, es habe schon öfter Momente gegeben, in denen er kurz davor war, sich einzumischen - doch dann hätten die Schüler miteinander gelacht und er habe gewusst: Es ist alles okay.
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