Seit einem Vierteljahr leitet sie das Kepler

Stefanie Wittlage, seit drei Monaten Leiterin des Johannes-Kepler-Gymnasiums, berichtet im Interview von ihrem Start und ihren Plänen.

Linda Braunschweig

Ibbenbüren · Samstag, 22.05.2021

 

Wittlage2021

 

Stefanie Wittlage ist seit einem Vierteljahr Leiterin des Johannes-Kepler-Gymnasiums. Über den Start unter Corona-Bedingung und ihre Pläne sprach Linda Braunschweig mit der 50-Jährigen aus Münster.

Drei erste Monate am Kepler unter ganz besonderen Bedingungen: Wie haben Sie diese Zeit bislang erlebt?

Stefanie Wittlage: Eigentlich positiv. Ich freue mich, wie gut ich hier aufgenommen worden bin. Es war die richtige Entscheidung, hierher zu kommen. Ich bin zwar eigentlich eher rational, aber hier hat sich das Bauchgefühl bestätigt. Und die pandemische Situation war ja nicht neu. Ich bin von einer Schule, die unter Corona zu managen war, an die nächste gewechselt. Besonders war aber schon, dass die Schule sehr leer war zu dem Zeitpunkt, als ich kam.

Es ist vermutlich sehr schwierig, zu erfassen, wie eine Schule „tickt“, wenn keine Schüler da sind, oder?

Wittlage: Das ist zumindest ein bisschen traurig. Gott sei dank hatten wir ja zumindest zwei Stufen im Haus. Aber ohne das Gros an Schülern fehlt Schule natürlich das Leben. Auch die Kollegen fehlten, weil sie ja größtenteils im Distanzunterricht waren. Zum Glück hat sich das nach dem 22. Februar geregelt. Und wir machen ja viele Dinge, die es auch unter normalen Umständen geben würde wie das Abitur oder die Stundenplanung.

Was macht die Schule aus?

Wittlage: Es herrscht eine große Bereitschaft, Dinge anzusprechen und anzugehen. Viele haben mir gesagt, was ihnen auf dem Herzen liegt und gezeigt, dass sie bereit sind, Eigeninitiative zu ergreifen, um Sachen zu ändern. Corona oder nicht würde ich aber immer sagen, dass man ein Schuljahr durchlaufen haben muss, wenn man neu im Amt ist.

Was sind im Moment die größten Herausforderungen?

Wittlage: Da ist natürlich der Wunsch, alle Schüler wieder zur gleichen Zeit in der Schule haben zu wollen, sodass alle mit dem Präsenzunterricht auch unter hygienischen Bedingungen gut leben können.

Eine Herausforderung der vergangenen Monate war sicherlich, schnell zu reagieren. Oft kam freitags abends die Mail mit den Bestimmungen für montags...

Wittlage: Wir haben gelernt, gewisse Umstrukturierungen erst dann vorzunehmen, wenn sie auch kommen. Man kann zwar für jede Eventualität einen Plan haben, aber wir haben gesehen: Zu viel vorausplanen bringt uns gar nicht weiter. Ich habe hier zum Glück ein besonnenes Team. Aber man braucht auch eine gewisse Gelassenheit und Humor dafür.

Ihr Vorgänger hatte zuletzt vor allem die mangelnde technische Ausstattung in der Corona-Zeit beklagt. Wie sieht es damit jetzt aus?

Wittlage: Wir haben seit den Osterferien sowohl den Glasfaseranschluss als auch den Server dazu, sodass es da einen Fortschritt gegeben hat. Iserv läuft und wird noch ausgebaut. Ich glaube, bei der Digitalisierung, die mir auch sehr am Herzen liegt, sind wir jetzt auf einem guten Weg, jedenfalls besser als im letzten Jahr um diese Zeit. Aber natürlich gibt es immer Luft nach oben. Die technische Ausstattung des Gebäudes und die digitale Professionalisierung des Kollegiums bleiben Stellschrauben.

Es wird immer wieder von den Defiziten gesprochen, die Schüler jetzt bekommen. Wie sehen Sie das? Braucht es spezielle Förderung?

Wittlage: Ich glaube, um das einschätzen zu können, ist es noch zu früh. Wir haben noch mehr als sechs Wochen, Klausuren und Klassenarbeiten stehen noch aus und auch dann wird es sich nicht ad hoc zeigen. Es ist auf jeden Fall pädagogisches Augenmaß gefragt.

Sie sind schon länger stellvertretend oder kommissarisch in Schulleitungen tätig gewesen. Aber jetzt sind Sie die Chefin. Was hat Sie bewegt, diesen Posten zu übernehmen?

Wittlage: Ich habe die nötigen Erfahrungen gesammelt, weil ich die Arbeit durch die kommissarische Leitung schon gemacht habe. Da lag es nahe, dass ich mich bewerbe. Mich reizt es, als Schulleitung Schule gestalten zu können.

Was haben Sie sich für die kommenden Jahre vorgenommen?

Wittlage: Das Kepler ist gut, so wie es ist, aber natürlich gibt es immer Ziele. Ich habe mich aber speziell hier beworben, weil es hier pädagogische Grundsätze gibt, die mir wichtig sind. Zum Beispiel die Schüler da abzuholen, wo sie stehen. Hier herrscht ein Geist, die Schüler auf ihrem Weg zu begleiten und sie zu kritischen Menschen zu erziehen, sich um sie zu bemühen. Das teile und schätze ich sehr.

Thema Neubau: Die Schülerzahlen am Kepler waren zuletzt rückläufig. Warum ist es dennoch wichtig, dass die Schule mehr Platz bekommt?

Wittlage: Die Anmeldezahlen in diesem Jahr für die fünfte Klasse waren nicht zufriedenstellend. Das ist unstrittig. Ich denke aber, dass sich das wieder nivellieren wird. Die Gesamtzahlen sind stabil, auch dadurch, dass wir viele Schüler in der Oberstufe aufnehmen. Wir haben Platzmangel mit dem jetzigen Schülerbestand und die sogenannte Mensa zum Beispiel ist keine Lösung. Außerdem steigen auch die baulichen Anforderungen an Schule.

Schulleitung war gerade in den vergangenen Monaten eher ein Rund-um-die-Uhr-Job. Wie finden Sie Entspannung?

Wittlage: Ich gehe gerne joggen, mache generell gerne Sport. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich zwischendurch mal raus muss, gehe ich gerne in den Garten.

Zur Person

Stefanie Wittlage stammt gebürtig aus Ahlen. Nach dem Abitur und einer Ausbildung im Bankwesen studierte sie Englisch und Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und verbrachte zudem einige Auslandssemester in England. Ihr Referendariat absolvierte sie in Hamm. Vor dem Wechsel ans Kepler-Gymnasium war sie ein Jahr lang stellvertretende Leiterin des Graf-Adolf-Gymnasiums (GAG) in Tecklenburg. Davor leitete sie kommissarisch das Augustin-Wibbelt-Gymnasiums in Warendorf. Wittlage ist verheiratet und wohnt in Münster.

IVZ vom 22.05.2021