Zurück an ihrer alten Schule

Bevor Prof. Dr. Alena Buyx am Donnerstag im Kepler-Gymnasium einen Vortrag zum Thema „Essen ist nicht nur Privatsache“ hielt, ließ sie sich die Chance nicht nehmen, durch die Schule zu wandern. Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates hat am „Kepler“ ihr Abitur gemacht.

 

Von Julia Kolmer

Ibbenbüren · Samstag, 03.09.2022

Buyx schule 1

Den Weg zu ihrem alten Klassenraum fand Prof. Dr. Alena Buyx am Donnerstag ohne Probleme. Raum 22, im Erdgeschoss. Und die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats musste feststellen, dass er sich kaum verändert hat. Auch sonst kam ihr vieles bekannt vor – nur die Raucherecke auf dem Schulhof, die gibt es nicht mehr, bestätigte ihr Schulleiterin Stefanie Wittlage. Buyx hat am Kepler Abitur gemacht, nun kehrte sie für einen Vortrag an ihre alte Schule zurück.

„Es ist total bizarr für mich, hier zu stehen“, sagte sie auch zu den Schülern der Q1, bevor sie kurz sich und ihre Arbeit als Professorin für angewandte Ethik vorstellte. „Das würde ich nicht machen, wenn ich nicht auf dem Kepler gewesen wäre.“ Denn im Leistungskurs haben sie und ihre Mitschüler einen wilden Ritt durch die Philosophie gemacht, erzählte sie. „Ich freue mich, das mein alter Philosophielehrer Herr Aschoff heute da ist. Ich hab aber auch ein bisschen Panik“, gab Buyx lachend zu.

„„Gesellschaftlicher Drahtseilakt – den Begriff klaue ich mir.““

Prof. Dr. Alena Buyx

Und damit stürze sie sich in den Vortrag. Wie genau das Thema „Ernährung“ zustande gekommen sei, das konnte sie nicht mehr erklären. Dazu habe sie aber mal ein Interview gegeben – und damit ihren ersten Shitstorm ausgelöst. Denn sie hat die Frage aufgeworfen, ob Essen wirklich reine Privatsache ist.

Buyx schule 2

Auf der einen Seite sei die eigene Ernährung eine persönliche Entscheidung. Auf der anderen Seite haben die individuellen Entscheidungen nicht nur gesellschaftliche Folgen und Kosten, sondern werden auch von der Gesellschaft beeinflusst, erklärte sie. Ein Beispiel: das Tierwohl und die Massentierhaltung. „Es sind individuelle Entscheidungen, mit dem kollektive Ergebnis, dass wir Tiere quälen.“

Danach kamen die Jugendlichen zu Wort. Denn Alena Buyx suchte die Diskussion. Und die Schüler zögerten nicht lange. Die Meinungen, die sie vertraten, gingen dabei weit auseinander. Eine Schülerin sah die Verantwortung für die Ernährung bei jedem Einzelnen, ihr Mitschüler wollte die Hersteller in die Pflicht nehmen und andere sahen auch den Staat in der Verantwortung, Inhaltsstoffe und Marketing zu regulieren. Buyx beantwortete jede Wortmeldung ausführlich und sortierte sie in den Kontext der philosophischen Debatte ein. Und so meldeten sich immer mehr Schüler, um ihre Sichtweise auf das Thema darzustellen.

Auch als die Zeit fast um war, nahmen die Meldungen der Schüler nicht ab. So verzichtete Buyx darauf, selber ein Abschlussstatement zu geben und überließ lieber den Jugendlichen das Wort. Die Schüler sahen Essen nicht als reine Privatsache – aber auch nicht als rein gesellschaftliches Thema. „Es ist ein gesellschaftlicher Drahtseilakt“, sagte ein Schüler. Und da stimmte ihm die Vorsitzende des Ethikrates zu.