„Kein Drama, Maximilian macht das.“

Bei der Taschengeldbörse helfen Schüler des Kepler-Gymnasiums Senioren für einen kleinen Obulus bei allen möglichen Aufgaben. Für die Jugendlichen und ihre Auftraggeber ist es aber mehr als nur ein Job. Drei Schüler erzählen, warum sie bei dem Projekt mit machen

Von Julia Kolmer

Ibbenbüren · Mittwoch, 03.11.2021

TGB 2021 I

 

„Das war mein allererster Auftrag“, erinnert sich Maximilian Aeffner. „Computerhilfe, Roswitha wollte eine E-Mail mit Bildern verschicken.“ Seit zwei Jahren ist der Jugendliche bei der Taschengeldbörse. Und genau so lange hilft der 18-Jährige Roswitha Massing bei Aufgaben und Problemen, meistens am Computer. Bei dem Projekt, das vom Kepler-Gymnasium und dem Begegnungszentrum organisiert wird, helfen Jugendliche Senioren – gegen ein kleines Taschengeld.

 

Wie häufig Maximilian der 79-Jährigen hilft, das ist ganz unterschiedlich, erzählen die beiden. Manchmal ist er zwei Mal die Woche bei der Seniorin, dann wieder für längere Zeit nicht. „Wenn halt nichts anliegt“, sagt der Jugendliche lachend. In den letzten Wochen war mehr los, Roswitha Massing ist umgezogen. Natürlich mit dabei: Maximilian. „Er hat mir meinen Computer und mein Telefon wieder flott gemacht“, erzählt sie.

„Wenn Roswitha Hilfe braucht, dann meldet sie sich eben bei mir.“

Maximilian Aeffner

„Wenn ich Probleme hab, weiß ich, dass ich Maximilian anrufen kann,“ erzählt Roswitha Massing. So wie vor ein paar Monaten, als ihr Computer nicht starten wollte. „Er ist dann ganz schnell vorbeigekommen und hat das Problem sofort gefunden.“ Dass Maximilian so bald wie möglich bei ihr vor der Tür steht, weiß sie zu schätzen. „Ich versuche immer, mir möglichst schnell Zeit zu nehmen“, betont der Schüler. Für Roswitha Massing heißt das bei Problemen: „Kein Drama, Maximilian kommt und macht das schon.“

Mehr als nur ein Job

Für Maximilan Aeffner und Roswitha Massing ist die Taschengeldbörse mehr, als nur eine Dienstleistung oder ein Job. „Nachher nehmen wir uns immer Zeit für eine Tasse Tee und plaudern ein bisschen“, erzählt Roswitha Massing. Dass sie sich so gut verstehen, darüber freuen sich beide. „Beim ersten Treffen war ich schon sehr aufgeregt“, erinnert sich Maximilian. „Es ist interessant, mit einer anderen Generation in Kontakt zu kommen“, sagt der Schüler. Da stimmt ihm die Seniorin aus ganzem Herzen zu.

Maximilian war auch schon bei anderen Senioren, um ihnen bei kleinen Aufgaben zu helfen. Was zu tun ist, ändert sich häufig mit den Jahreszeiten, ist seine Erfahrung. „Im Sommer ist es eher Rasenmähen und Unkraut zupfen, im Herbst muss Laub geharkt werden. Im Winter sind es häufiger Computerprobleme.“ Umso größer ist seine Freude, dass die Taschengeldbörse nach den Sommerferien durch viele neue Schüler verstärk wurde. „Wir haben uns fast verdreifacht“, erzählt er. „Gut zu wissen“, meint Roswitha Massing. Schließlich macht Maximilian im nächsten Frühjahr sein Abitur und will studieren.

TGB 2021 II

 

Von der Taschengeldbörse haben Nina und Maleen schon von Klassenkameraden gehört. Als dann nach den Ferien eine E-Mail kam, dass die Börse Verstärkung sucht, haben sie nicht lange gezögert. „Einen Nebenjob kann man sich ja überall suchen“, sagt Maleen. „Aber das Zwischenmenschliche war mir auch wichtig.“ Nina stimmt ihr zu: „Es ist schön, wenn wir den Senioren damit helfen können.“

Und so fanden sich die Zehntklässlerinnen beim wöchentlichen Treffen der Taschengeldbörse im Kepler-Gymnasium wieder, in der Hoffnung auf einen Auftrag. „Die Aufträge bekommen wir vermittelt, aber die Verantwortung für die Planung liegt bei uns“, erklärt Nina. Häufig erfolgt auch nur der erste Kontakt über die Börse, danach telefonieren Jugendliche und Senioren direkt miteinander. Und so hoffen Nina und Maleen auf feste „Kunden“. Genau so, wie es bei Maximilian Aeffner und Roswitha Massing ist.

Wer einen Auftrag für die Taschengeldbörse hat, kann sich unter 0157 30 74 81 98 melden.

IVZ vom 04.11.2021