Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren              

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Holocaust-Gedenktag

Freitag, 31. Jan. 2020 - 15:58 Uhr
von Linda Braunschweig

Der Q2-Grundkurs Geschichte des Kepler-Gymnasiums hat eine szenische Lesung zum Holocaust-Gedenktag aufgeführt.

holocaust gedenktag2020

"Wir haben uns daran gewöhnt, ohne Bettzeug zu schlafen, jede Uniform zu grüßen, (...) an grundlose Ohrfeigen, Misshandlungen, Hinrichtungen, (...) Menschen im eigenen Kot dahinsterben zu sehen, an Särgen mit Menschenleichen vorbeizugehen.“

Mit diesem und weiteren Texten haben 21 Schüler des Q2-Grundkurses Geschichte am Montag und Donnerstag sehr eindrucksvoll und mahnend im Pädagogischen Zentrum des Kepler-Gymnasiums an das Grauen des Holocaust erinnert. Mehr als 500 Schüler sahen die szenische Lesung mit Schauspielszenen an den beiden Tagen.

Eingangs erhielten sie den Hinweis, dass die gezeigten Bilder nur schwer zu ertragen seien. Wer das nicht aushalte, könne den Raum verlassen. Davon machte am Donnerstag keiner der Schüler aus den Jahrgangsstufen 10 und 12 im Publikum Gebrauch. Die grausamen Bilder von nackten abgemagerten Kindern im KZ, von den Deportationen und Gaskammern hinterließen aber betroffene Gesichter. Dazu hatten die Schüler, die sich ein Halbjahr lang auf die Aufführung vorbereitet hatten, unter anderem Berichte, Briefe und Aufzeichnungen von der Situation 1938 in Ibbenbüren, von deportierten Juden, aber auch von Rudolf Höß, Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, ausgewählt. Sie alle führten die unvorstellbaren Gräueltaten und das Leid der Menschen deutlich vor Augen. Die Frage, ob nicht endlich ein Schlussstrich unter die Geschehnisse gezogen werden könne, beantworteten die Schüler mit einer langen Liste antisemitischer Vorfälle und Anschläge der Gegenwart und damit mit einem klaren Nein. Der Donots-Song „Dann ohne mich“ unterstrich die Forderung, sich gegen diese Tendenzen zu wenden. Dass diese keine Seltenheit sind, zeigte außerdem die abschließende Fragerunde. Dabei berichteten Schüler aus dem Publikum von antisemitischen oder ausländerfeindlichen Szenen, die sie selbst erlebt hatten.

Die Texte hinterließen auch bei den Schülern, die sie vortrugen, tiefen Eindruck. Die Grausamkeiten des Kommandanten Höß, die Verzweiflung einer Mutter, die weiß, dass sie ihr Kind vor dem KZ-Arzt Josef Mengele nicht retten kann, die Beschreibung der Deportation – „wenn man das vorliest, geht einem das sehr nahe“, sagt Nikol Bertram (19). Auch wegen der antisemitischen Anschläge und Vorfälle, die sie selbst für die Aufführung zusammen getragen haben, ist für Anna-Lena Schophuis (17) klar: „Da kann man keinen Schlussstrich drunter ziehen. Das ist immer noch tief verwurzelt.“

Während der Vorbereitung auf die szenische Lesung wurden die Schüler mit vielen Details des Holocaust konfrontiert. Am schlimmsten aus heutiger Sicht ist für Jonas Meyer (18) aber, „dass die Zahl der antisemitischen Anschläge heute trotz allem noch weiter zunimmt. Es ist 75 Jahre her, aber trotzdem immer noch sehr aktuell“, sagt der Schüler.

Auch deshalb sei es gut, dass es die Vorführung an der Schule gegeben hat, findet Nikol: „Wir haben uns viel Mühe gegeben, das rüberzubringen: Es darf einfach nicht wieder zunehmen.“

IVZ vom 01.02.2020

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