Die Corona-Pandemie stellt die Schulen bundesweit vor immer neue Herausforderungen. Vor allem die Organisation des Distanzlernens erfordert viel pädagogisches Feingefühl und gut durchdachte Konzepte. Das Johannes-Kepler-Gymnasium Ibbenbüren hat sich dieser Aufgabe nach vielen Abwägungen im Kollegium und in Abstimmung mit der Elternschaft gestellt. Es gilt, eine sinnvolle Mischung zwischen Selbstverantwortung der Schülerinnen und Schüler und der Präsenz in Videokonferenzen zu finden, ohne dabei die Lernenden zu überfordern. Darüber hinaus erscheint es für alle am Unterricht Beteiligten unabdingbar, möglichst optimale Lern- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, ohne dabei soziale und innerfamiliäre Strukturen außer Acht zu lassen. 

Am Kepler-Gymnasium hat man sich für eine Synthese verschiedener Lernarrangements entschieden: für das Bereitstellen von Aufgaben pro Unterrichtsstunde oder auch als Wochenaufgabe bei anzahlmäßig begrenzter Vereinbarung von Videokonferenzen pro Klasse bzw. Kurs. Die notwendige Voraussetzung für die Organisation und Umsetzung dieses Konzepts ist durch die Installation der Kommunikations-Plattform IServ gewährleistet. Die Lehrkräfte versorgen ihre Lerngruppen mit Aufgaben und können individuelle Rückmeldungen geben. Die ergänzende Videokonferenz stellt eine Variante dar, um Ergebnisse zu vergleichen, Fragen stellen zu können, einen neuen Unterrichtsgegenstand einzuführen oder einfach nur das Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe zu wahren. 

Auf diese Weise versucht das Kepler-Gymnasium den verschiedenen sozialen, individuellen und auch innerfamiliären Voraussetzungen zu begegnen. Nicht jedem Kind stehen ganztägig digitale Endgeräte zur Verfügung, in Außenbezirken hakt auch mal das Internet. Über diese strukturellen Probleme hinaus hat sich das Kepler-Gymnasium unter Beachtung lernpsychologischer Erkenntnisse gegen einen Online-Präsenzunterricht entschieden und stattdessen den Weg eingeschlagen, Videokonferenzen gezielt pro Lerngruppe an einem Unterrichtstag einzusetzen. Zu langes Arbeiten vor dem Bildschirm setzt nicht nur ein enormes Maß an Konzentrationsfähigkeit voraus, sondern widerspricht auch dem natürlichen Drang von Kindern, sich bewegen zu wollen. Stundenlanges Sitzen vor dem PC wird weder dem Bewegungsanspruch eines Kindes gerecht, noch ist es förderlich für den Lernprozess. Ein weiterer Vorteil an der begrenzten Anzahl von Videokonferenzen ist, dass Lehrer auch vormittags auf Fragen von Schülern flexibel reagieren können, da sie nicht dauerhaft in einer Videokonferenz eingebunden sind.

Das Konzept am Kepler-Gymnasium verfolgt durch die Kombination von Aufgaben und sinnvoll eingesetzten Videokonferenzen das Ziel, möglichst optimale Voraussetzungen für flexibel gestaltetes Arbeiten aller Beteiligten zu schaffen: Die Schüler haben die Freiheit, die Aufgaben entweder in Orientierung am Stundenplan herunterzuladen und zu bearbeiten, oder zu den Zeiten, die ihnen unter Berücksichtigung ihres eigenen Biorhythmus oder der familiären Tagesstruktur besser passen. Innerhalb der Familien kann der Alltag entsprechend den eigenen Bedürfnissen und Gegebenheiten unterschiedlich strukturiert werden, und auch die Lehrkräfte haben die Möglichkeit, ihren Arbeitstag in einer Weise zu organisieren, so dass das Ziel von Schule, der individuelle Lernzuwachs eines jeden Schülers, oberste Priorität hat.