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60-Minuten-Modell

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Das 60-Minuten-Modell in der Diskussion am Kepler: Chancen und Grenzen




Frage: Welche Argumente haben uns vom 60-Minuten-Modell überzeugt?
Wir sehen folgende Vorteile:
  • Das 60-Minuten-Modell bietet eine klarere und entspanntere Zeitstruktur durch weniger Einheiten und weniger Wechsel. - Dies führt zu mehr Ruhe im Tagesverlauf und weniger Hetze durch bis zu acht Fächer am Tag.
  • Die großen Pausen werden länger.
  • Die Zeit für Beratungsgespräche verlängert sich.
  • Lehrer/innen haben weniger Lerngruppen, Schüler/innen weniger Fächer am Tag. Dies führt zu einer Arbeitsentlastung für alle Beteiligten - in Anbetracht steigender G8-Belastung.
  • Schülerversuche sind in 60-Minuten-Stunden besser durchzuführen.
  • Der Gestaltungsspielraum für den Unterricht vergrößert sich.
  • Projektarbeit und schülerzentrierte Arbeitsformen sind eher möglich.
  • Schüler/innen müssen pro Tag weniger Unterrichtsmaterial mitbringen.
  • Die fehlenden Ressourcen (Mensa, zusätzliche Lehrerstunden) bekommen wir ansatzweise in den Griff, da Gymnasien in den nächsten Jahren erst einmal nicht als Ganztagsschulen unterstützt werden.
  • Die Teilnahme an Nachmittagsaktivitäten (Sportvereine / Kirchen...) wird Schüler/innen weiterhin ermöglicht.
  • Ein Teil der Tageszeit, in der die Konzentration rapide nachlässt, wird nicht durch obligatorischen Fachunterricht belegt, sondern wird für freiwillige Angebote und den Sportunterricht in der Oberstufe genutzt.
  • Schüler/innen und Lehrer/innen erhalten feste Unterrichtsrhythmen.
  • Eingefahrene Gepflogenheiten hinsichtlich Schulorganisation und Unterricht werden geprüft und ggf. verbessert – dies ist eine Chance für unsere Schule.


Frage: Löst das 60-Minuten-Modell alle Probleme?
Nein, denn es handelt sich zunächst erst einmal um eine Veränderung des Organisationsrahmens, mit dem die Schule auf die Verkürzung der Schulzeit (G8) reagiert hat. Von uns diskutierte Bedenken:
  • Klausuren und Klassenarbeiten passen zeitlich nicht immer perfekt in das 60-Minuten-Raster.
  • In den Sprachen gibt es weniger Lernanreize pro Woche.
  • Es gibt Probleme in Fächern der Sekundarstufe I, wenn sie als Einzelstunde pro Woche unterrichtet werden.
  • Eine Neuorganisation der Verteilung der Unterrichtsinhalte wird erforderlich.
  • Der Kontakt zur Lerngruppe ist seltener.
  • Vertretungsunterricht ist aufwändiger.
  • Eine große Pause mit anschließender Freistunde ist sehr lang.
  • Stundenpläne für Kolleg/innen werden schlechter – möglicherweise auch für Oberstufenschüler/innen.
  • Es gibt weniger Zeitfenster für AGs - gilt aber generell für G8.
  • 60 Minuten sind für einige Schüler zu lang.
  • Die Busverbindungen für die Schüler/innen müssen neu verhandelt werden und sind möglicherweise im Einzelfall ungünstiger.
  • Bewährte Schemata werden aufgegeben – Umstellungsprobleme müssen bewältigt werden.

Fazit: Wir haben uns das Abitur nach 12 Jahren nicht gewünscht, denn Lernen und Entwicklung brauchen Zeit, über deren Gestaltung nachgedacht werden muss. Die Umstellung auf das Abitur nach 12 Jahren erfordert in allen Schulen generell eine Schul- und Unterrichtsentwicklung – die Diskussion bietet Chancen, fordert das Kollegium auf, in Teams neue Ansätze zu entwickeln, aber benötigt auch viel Zeit (auch für Fortbildung) und Ressourcen, die den Schulen fehlen. Mit der Diskussion um neue Organisationsformen wollen wir uns auf die Zukunft einstellen.

Frage: Bietet die 60-Minuten-Stunde eine Chance für neue Unterrichtsmethoden?
Der klassische lehrerzentrierte Unterricht, in dem ausschließlich der Lehrer oder die Lehrerin den Takt vorgibt, gilt heute als überholt und wird den Anforderungen nicht mehr gerecht. Er war abgestimmt auf das 45-Minuten-Raster, das so scheinbar möglichst effektiv durch ein fragend-entwickelndes Unterrichtsgespräch genutzt werden konnte.
Gesellschaft und Wirtschaft stellen heute deutlich andere Anforderungen an Schule und Schüler/innen. In einer Wissensgesellschaft sollen Schüler/innen lernen, wie sie sich lebenslang selbstständig Wissen aneignen können. Auch die Vorbereitung auf die Stofffülle des Zentralabiturs muss auf die Selbstständigkeit der Schüler setzen.
Gefordert wird eine verstärkte Schüleraktivität, Schüler/innen sollen Probleme selbst erkennen, Lösungswege entwickeln und reflektieren – Lehrer/innen sollen Lernbegleiter und –unterstützer sein. Sie sollen bei der Strukturierung der Lernprozesse der Schüler/innen helfen.
In der 60-Minuten-Stunde haben Schüler/innen mehr Zeit für Gruppen- und Partnerarbeiten, Praxisphasen – also auch zur Einübung neuer Lernmethoden.

Frage: Führt das 60-Minuten-Modell zu einer Verschlechterung der Unterrichtsergebnisse und des Leistungsniveaus?
Das Kepler-Gymnasium legt großen Wert auf Unterichtsqualität – inhaltlich und methodisch. Dies wird so bleiben! Die ausgezeichneten Ergebnisse im ersten Zentralabitur haben das bestätigt. In der Regel liegt die Schule auch in den Jahren danach über dem Landesschnitt, obwohl überproportional viel Seiteneinsteiger aus Haupt- und Realschulen in der Oberstufe sind.
Die Unterrichtszeit bleibt gleich, wird nur neu verteilt. Schüler/innen und Lehrer/innen haben gelernt, damit umzugehen und darauf adäquat zu reagieren.
Die Fächer Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik, Sport werden weiterhin durchgängig in allen Jahrgangsstufen erteilt, die anderen Fächer (Natur- und Gesellschaftswissenschaften) haben auch bislang (im G9-Modell) in der Regel in jeder zweiten Jahrgangsstufe Unterricht. In der Oberstufe wird auch im 60-Minuten-Takt der gesamte Unterricht durchgängig erteilt werden.



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